Müssen Christen immer die andere Wange hinhalten?
Müssen Christen immer die andere Wange hinhalten?
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Bist du ein „agierender“ oder ein „reagierender“ Mensch, ein „Thermostat“ oder ein „Thermometer“? Sind deine Entscheidungen von göttlicher Weisheit geprägt oder lässt du dein Leben von deinen Umständen und den Meinungen anderer bestimmen? Die Wahrheit ist: Gott möchte, dass du der Leitung des Heiligen Geistes folgst und somit selbst zum Leiter wirst.
In Philipper 1,9 schrieb der Apostel Paulus zur Gemeinde im Philippi, „ich bete, dass eure Liebe noch mehr und mehr überströme in Erkenntnis und allem Urteilsvermögen“. Viele Christen wollen gerne einen liebevollen Umgang pflegen. Aber ist dir aufgefallen, dass es in unserem liebevollen Umgang auch einen Platz für Weisheit und Urteilsvermögen gibt?
Jesus hat es in Matthäus 10,16 gegenüber seinen Jüngern so ausgedrückt: „Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben!“ Das Wort, das hier mit „klug“ übersetzt wird, ist phronimos im Griechischen, was auch „weise, intelligent, scharfsinnig und umsichtig“ mit einschließt. Doch statt auch scharfsinnig und wachsam zu sein, konzentrieren sich viele Christen einfältig auf die Liebe.
Folgen wir hingegen der Empfehlung von Jesus und praktizieren eine scharfsinnige Liebe, dann werden wir zu interessanteren Menschen. Dann finden uns andere anziehend und anregend, was unseren Ehen und Freundschaften zugutekommen kann.
DER HEILIGE GEIST IN UNS IST UNSER LEHRER
Jesus ist die Verkörperung von Weisheit und wer an Jesus glaubt, in dem lebt dessen Heiliger Geist (siehe Johannes 14,16-17). Wir empfangen seine „Salbung“, seine Kraft, an der wir uns orientieren können.
— 1. Johannes 2,27
Das Wort Salbung ist ein Gerundium, ein zu einem Nomen gebildetes Verb, das eine fortlaufende Aktivität ausdrückt. Das heißt, dass die Salbung immer andauert. Heute leitet Gott unser Leben durch diese innere Salbung.
Wir spüren, ob wir bei einer Sache Gottes inneren Frieden haben oder nicht. Diese Salbung, die in uns ist, ist in allen Fragen unser Lehrer. Sie lehrt uns hinsichtlich unserer Finanzen. Sie lehrt uns, wie wir eine vorteilhafte Position erlangen können. Sie lehrt uns, richtig mit zwischenmenschlichen Beziehungen umzugehen. Und am allerbesten: Die innere Salbung belehrt uns in unsere Beziehung zu Gott.
Das heißt nicht, dass Bibellehrer oder Bibelschulen überflüssig sind. Wir brauchen weiterhin auch die Bibel, weil sie uns die Richtung weist. So wie Gleise einem Zug die Richtungen weisen. Der Heilige Geist in uns ist eher wie die Lok des Zuges, von der die Zugkraft und Schaltung des Zuges ausgeht. Beispielsweise können wir eine Predigt hören, die bestätigt, was wir innerlich bereits wissen. 1. Johannes 2,27 drückt z.B. aus, dass wir Gottes Führung ganz persönlich erleben können, weil der Heilige Geist in uns lebt und uns lehrt.
Das heißt, wenn eine Person zwar sehr charmant ist, wir uns innerlich in ihrer Gegenwart aber unbehaglich fühlten, sollten wir Rat bei Gott suchen. Wenn wir bei einem Vertrag keinen inneren Frieden verspüren, sollten wir der Sache auf den Grund gehen, bevor wir ihn unterschreiben. Gott kann uns durch Bibelverse und andere Mittel von außen bestätigen, was wir innerlich bereits wissen.
Ich möchte das anhand eines Beispiels verdeutlichen. Vor einigen Jahren bat ein Mann unsere Kirchengemeinde um finanzielle Unterstützung für eine Arbeit, die, so behauptete er, Gott ihm in Indien gegeben habe.
Doch ich hatte dabei innerlich ein „kratziges“ Gefühl. Also bat ich mein Leitungsteam, die angebliche Arbeit desjenigen zunächst näher zu untersuchen. Dadurch stellte sich heraus, dass er ein Betrüger war, ein Trickbetrüger! Er trieb schon seit mehreren Jahren in Singapur sein Unwesen, in einer Kirchengemeinde nach der anderen. Wir sorgten dafür, dass diese Person sich den Folgen seines Handelns stellen musste.
WANN HÄLT MAN DIE ANDERE WANGE HIN?
„Aber in der Bergpredigt sagt Jesus doch, dass wir immer nett sein müssen. Wenn uns jemand eine Ohrfeige gibt, dann sollen wir ihm doch auch noch die andere Wange hinhalten.“ Ihr Lieben, das ist eine falsche Auslegung. Schauen wir mal, was Jesus meinte.
— Matthäus 5,39
Schlug jemand einem damals auf die Wange, so forderte er einen damit zum Kampf heraus. Was meinte Jesus also damit, als er sagte, dass wir unsere andere Wange hinhalten sollen? Er meinte damit: Sei ein „Agierender“, nicht bloß ein „Reagierender“. Nur weil dich jemand zum Zweikampf herausfordert, musst du dich noch lange nicht darauf einlassen. Indem du ihm die andere Wange hinhältst, schockst du den anderen und kaufst ihm den Schneid ab. Gib ihm nicht die Macht, dich wütend zu machen. Wer hat nun das Sagen? Du! Lass das Verhalten anderer nicht dein eigenes Verhalten bestimmen.
Jesus führt noch ein weiteres Beispiel auf: „und wenn dich jemand nötigt, eine Meile weit zu gehen, so geh mit ihm zwei“ (Vers 41). Dem römischen Gesetz zufolge konnte damals jeder jüdische Bewohner dazu gezwungen werden, die Ausrüstung eines Soldaten eine Meile weit zu tragen. Jesus ermutigte seine Nachfolger, sich nicht nur an das Gesetz des Landes zu halten, sondern sogar über die Pflicht hinauszugehen. Damit würden sie das Gesetz nicht gutheißen, sondern das Böse mit dem Guten überwinden, weil sie dann den Überraschungseffekt auf ihrer Seite hätten. Jesus ging es darum, dass wir die Regie übernehmen sollen. Er befürwortete dadurch nicht den Pazifismus.
Für Nationen, Gemeinden, Firmen und Familien gilt gleichermaßen: Es ist nicht gut, sich als Fußabtreter benutzen zu lassen. Wenn jemand unsere Gemeine übers Ohr hauen will, lassen wir uns das nicht bieten
DAS BÖSE HERRSCHT, WENN GUTE MENSCHEN NICHTS TUN
Es ist eines, jemandem zu vergeben, der einen persönlich betrogen hat. Ein Trickbetrüger, der in der Gemeinde sein Unwesen treibt, ist etwas anderes. Kommt man so jemandem auf die Schliche, sollte man den Mund aufmachen und die Person anzeigen. In dem Fall geht es nicht mehr um persönliche Vergebung, sondern um Verantwortung für die Gemeinde Gottes. Da sollten wir nicht sagen: „Ist schon in Ordnung. Das ist Schnee von gestern. Wir lassen Liebe walten.“
Nein, so lässt man nicht Liebe walten. So etwas ist Feigheit, die man als Liebe tarnt, weil man Angst vor der Konfrontation hat.
Wie schon Adam, haben einige Menschen das Böse walten lassen, indem sie still geblieben sind. Obwohl Adam Gottes Gebot im Garten eindeutig gehört hatte, machte er den Mund nicht auf und ließ seine Frau dadurch von Satan verführen (siehe 1. Mose 2,16-17; 3,1-6).
Ehen zerbröckeln häufig, weil der Mann seine Verantwortung nicht wahrnimmt, sondern zu seiner Frau sagt: „Ach, ich weiß nicht. Entscheide du das.“ Also übernimmt sie die Verantwortung. Wenn sie dann einen verantwortungsvollen Mann braucht, der auch in der Lage ist, Entscheidungen zu treffen, stellt sie fest, dass sie die Hosen anhat! Verehrte Damen, ermöglicht euren Männern nicht diese Verantwortungslosigkeit, indem ihr ihnen ständig die Entscheidungen abnehmt.
Verehrte Herren, übernehmt zu Hause Gott gefällige Verantwortung. Traut euch, Entscheidungen zu treffen, denn Gott hat euch zum Familienoberhaupt bestimmt (siehe Epheser 5,23). Gott hat euch zu „Königen und Priestern“ gemacht (siehe Offenbarung 1,6).
Allerdings ist es weise, wichtige Entscheidungen mit euren Frauen zu besprechen. Es kommt vor, dass Gott zu mir über große Projekte spricht, die ich daraufhin mit meiner Frau Wendy bespreche, um ihren Gedanken dazu zu hören. Sagt euren Frauen also nicht bloß: „Ich bin das Familienoberhaupt. Find dich damit zurecht!“ Gott hat die Frau dem Mann zur Seite gestellt (siehe 1. Mose 2,18). Eure Frauen können eine Quelle der Weisheit sein, aus der ihr schöpfen könnt.
Doch am Ende müsst ihr die Verantwortung für Entscheidungen übernehmen. Wenn ihr von Gott gehört habt und davon überzeugt seid, dass es die richtige Entscheidung ist, müsst ihr dann auch die Entscheidung fällen und die Verantwortung übernehmen.
JETZT IST SCHLUSS MIT LUSTIG!
Einige Leute sagen sich: „Ich will keinen Staub aufwirbeln. Ich halte lieber den Mund. Mir ist der Frieden in meiner Familie wichtig. Ich möchte nett bleiben, wie Jesus.“ Willst du wirklich wie Jesus sein? Dann höre auf seinen Geist in deinem Inneren. Es gibt Zeiten, da sagt er: „Bekenne Farbe! Melde dich zu Wort!“ Schau mal, wie Jesus dem Synagogenvorsteher antwortete, als dieser sich darüber aufregte, dass Jesus am Sabbat geheilt hatte:
— Lukas 13,15-16
Wohlgemerkt, Jesus war der Gastredner in dieser Synagoge. Trotzdem nannte er den Synagogenvorsteher vor der ganzen Gemeinde einen Heuchler. War Jesus immer nur lieb und nett? Nein, er musste auch mal auf den Tisch hauen – gerade weil er ein liebevoller Retter war, der Mitgefühl mit der Frau hatte, die der Teufel 18 Jahre lang zugesetzt hatte.
DER GUTE HIRTE BESCHÜTZT SEINE SCHAFE
Einmal lud ein Pharisäer Jesus zum Essen ein. Doch als Jesus sich dann vor dem Essen nicht die Hände wusch, gab es eine Auseinandersetzung:
— Lukas 11,39-46
Jesus war nicht unhygienisch, als er sich vor dem Essen nicht wusch. Vielmehr wandte er sich bewusst gegen die strikten zeremoniellen Waschungen, die von den Pharisäern praktizierte wurden.
Deshalb bezeichnete Jesus das Verhalten der Pharisäer als Torheit: weil sie äußerlich die Vorschriften penibel einhielten, um einen frommen Eindruck zu erwecken, innerlich jedoch schmutzig waren.
Verstehe das nicht falsch. Jesus liebte die Pharisäer. Er wollte gerne, dass auch sie sein Geschenk annehmen und von Gott gerechtgesprochen würden. Aber er nahm kein Blatt vor den Mund, wenn sie durch ihren Stolz und ihre Selbstgerechtigkeit andere davon abhielten, dieses Geschenk von Gott zu empfangen.
Ist dir schon mal aufgefallen, dass Jesus nirgends eine Prostituierte als „Heuchlerin“ bezeichnet? Er nannte die Steuereintreiber nie: „Ihr Schlangen!“ Aber die selbstgerechten Pharisäer beschimpfte Jesus als „Schlangenbrut“ (siehe Matthäus 12,34; 23,33). Warum? Weil Jesus ein guter Hirte ist, der seine Schafe liebt und die Pharisäer und Bibellehrer der damaligen Zeit legten den Menschen durch ihre Auslegung des Gesetztes von Mose allzu schwere Lasten auf.
LIEBE, DIE REICH AN WEISHEIT UND UNTERSCHEIDUNGSVERMÖGEN IST
Ich will damit nicht sagen: „Du muss nicht nett sein. Sei ruhig unhöflich.“ Aber nur weil du nicht immer ein Sympathiebolzen sein kannst, heißt es nicht, dass du nicht liebevoll, stark, mutig und klug handeln kannst.
Als der Zauberer Elymus einen Statthalter davon abhalten wollte, die Botschaft Gottes zu hören, wandte sich Paulus aus Liebe heraus entschieden gegen ihn:
— Apostelgeschichte 13,9-12
Um der fälschlichen Annahme vorzubeugen, dass Paulus in diesem Moment nicht von Liebe geprägt war, weist die Bibel extra darauf hin, dass er „voll Heiligen Geistes“ war. Das bedeutet, Paulus wurde vom Geist geleitet, als er den Zauberer zurechtwies.
„Aber Paulus sagte Elysum doch, dass er blind werden sollte“, mag jetzt jemand einwenden. „Wie soll Blindheit ein Ausdruck von Gottes Gnade sein?“
Man beachte, dass Paulus sagte, Elysum würde „eine Zeit lang“ blind sein, nicht dauerhaft und durch diesen Akt kam der Statthalter zum Glauben. Gott liebte den Statthalter so sehr, dass er den Zauberer eine Zeit lang erblinden ließ, weil dieser ein Trickbetrüger war und Paulus davon abhalten wollte, dem Statthalter von Jesus zu erzählen.
Der Heilige Geist gibt uns Liebe und Standhaftigkeit, damit wir Gottes Kinder beschützen können. Gott gibt uns die Stärke, unsere Familien zu beschützen. Würde jemand meiner Frau oder meine Tochter etwas antun wollen, würde ich sie verteidigen. Ich würde nicht bloß dastehen und „die andere Wange“ hinhalten! Der Hirte hat nicht ohne Grund einen Stab. Der Stab ist nicht dazu da, die Schafe zu schlagen, sondern den Wolf! Wir sollten uns im Klaren darüber sein, wer unser Feind ist.
DER MANN JESUS
Weiche nicht zurück, wenn du Angst hast. Jesus schreckte nicht vor den Soldaten zurück, die sie ihn im Garten Gethsemane verhaften wollten. Sie waren bewaffnet und gefährlich. Doch obwohl Jesus wusste, was ihm bevorstand, kam er auf sie zu und fragte: „Wen sucht ihr?“ Als sie antworteten: „Jesus, den Nazarener“, sagte Jesus: „Ich bin’s“ (Johannes 18,3-5).
Jesus wich nicht zurück. Er ging mutig auf die Soldaten zu. Und er liebt uns so sehr, dass er für uns nicht einmal vor dem Kreuz zurückschreckte. Jesus war und ist ein echter Mann. Trotzdem gibt es Christen, die sich davor scheuen, ihren Freunden von Jesus zu erzählen, weil sie befürchten, damit nicht gut anzukommen. Mach dir keine Sorgen, was andere Menschen von dir halten. Wage dich vor und ehre den Herrn, der sein Leben für dich gegeben hat!
Tief im Innern sehnt sich jeder nach einem Helden. Deshalb fühlen wir uns so zu Filmhelden wie William Wallace in Braveheart hingezogen. Wir finden ihn bewundernswert, weil er sich nicht scheute, dem eingebildeten und habgierigen Adel in Schottland die Stirn zu bieten und weil er ein unterdrücktes Volk in die Freiheit führte. Ein Held setzt sich immer für ein Ziel ein, das größer ist als er selbst.
Als ich mir Braveheart anschaute, erinnerte Wallace mich in gewisser Weise an Jesus. Jesus ist der starke, selbstlose Held, der kam, um uns zu befreien. Er hat die Sünde, die uns unterdrückt hat, besiegt. Der Herr ist nicht dünn und blass wie der entmannte Jesus, den wir von traditionellen Bildern kennen und der einige Kirchenwände schmückt. Der echte Jesus ist der geliebte Sohn Gottes, der Mann, der heldenhaft am Kreuz für uns gestorben ist. Er ist der Held, nach dem sich unser Herz sehnt.
DER HELD IN DIR
Auch in dir steckt heute ein Held, wenn du Jesus gebeten hast, durch seinen Geist in dir zu wohnen. Die Bibel drückt es so aus: „Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit“ (Kolosser 1,27).
Liebe Ehemänner, denkt dran: Ihr müsst nicht aus eurer eigenen Kraft heraus die Leitung in euren Familien übernehmen. Gott legt keine unrealistischen Erwartungen an euch. Es ist keine Frage der Willenskraft. Vielmehr wird Jesus, der in euch lebt, euch lehren. Mit seiner Hilfe könnt ihr eine Gott gefällige Führungsrolle übernehmen. Er hat euch zum König und Priester des Hauses gemacht.
Liebe Ehefrauen, ehrt eure Männer in dieser Rolle. Erlaubt ihnen Entscheidungen zu treffen und vertraut, dass Gott sie mit Weisheit erfüllen wird. Das wird auch euch zugutekommen. Die meisten Männer übernehmen zu Hause gerne Verantwortung, wenn ihre Frauen sie darin unterstützen.
Vergiss nicht, dass Jesus, der wohl heldenhafteste Mann und Mensch, dich mit einer aufopferungsvollen Liebe liebt. Je tiefer du in den Strom seiner Liebe eintauchst, umso mehr kannst du aus der Kraft schöpfen, die in dir steckt. Allein seine Liebe kann eine mühelose Veränderung in dir bewirken und deinen Segen entfesseln.
Dieser Artikel wurde ursprünglich von Joseph Prince auf Englisch verfasst.
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